Flugangst – und sich trotzdem auf die Reise freuen
In den ersten beiden Teilen dieser Serie ging es darum, warum Angstfreiheit für mich kein realistisches Ziel war und was mir während des Flugs konkret hilft, wenn die Angst da ist. In diesem dritten Teil schauen wir auf die Zeit vor dem Flug. Ich schreibe über innere Vorbereitung und um Rahmenbedingungen, die meine Flugangst kleiner machen.
Nicht jeder Flug fühlt sich gleich an
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich ist: Flugangst ist nicht konstant. Es gibt Flüge, vor denen fühle ich mich unruhiger. Oft weiss ich gar nicht, warum. Ich habe gelernt, diese Schwankungen nicht als Rückschritt zu werten. Wenn die Tage vor der Abreise ängstlicher verlaufen als beim letzten Mal, bedeutet das nicht, dass alles wieder schlimmer geworden ist. Es bedeutet nur, dass mein Nervensystem gerade sensibler reagiert.
Hinflug ist nicht gleich Rückflug
Ich habe über die Jahre bemerkt, dass mir Hinflüge oft etwas schwerer fallen als Rückflüge. Besonders dann, wenn das Reiseziel neu ist. Rückflüge sind vertrauter. Man weiss, was einen erwartet. Die Ungewissheit ist kleiner und die Anspannung auch niedriger.
Allein dieses Wissen hilft mir, mich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Ich erwarte nicht mehr, dass sich jeder Flug gleich anfühlt.
Vorbereitung ohne Endlosschleife
Lange Zeit habe ich mich vor jeder Reise tagelang intensiv mit dem Fliegen beschäftigt. Gedanken, Szenarien, Recherchen. Heute weiss ich: Das bringt mir nichts.
Etwa drei Tage vor einem Flug höre ich deshalb bewusst auf, mich gedanklich mit dem Fliegen zu beschäftigen. Nicht aus Verdrängung, sondern aus Selbstschutz. Ich weiss, dass im Stressmodus keine Lösungen entstehen. Also erlaube ich mir, die Gedankenschleife zu unterbrechen und nicht mehr beruhigende Antworten auf drängende Sorgen zu suchen.
Manchmal sage ich mir innerlich ganz klar: «Stopp. Darüber denke ich jetzt nicht mehr nach. Das mache ich erst nach der Reise wieder.» Das ist nicht immer leicht, aber es wirkt.
Praktische Vorbereitung gibt Struktur
In den Tagen vor der Abreise versuche ich, mir durch kleine organisatorische Schritte Sicherheit zu verschaffen. Ich packe meinen Koffer nicht in letzter Minute, sondern zwei bis drei Tage vorher. Das nimmt Hektik raus und gibt mir das Gefühl, vorbereitet zu sein. Am Reisetag selbst plane ich bewusst genug Zeit ein. Zeitdruck und Flugangst sind keine gute Kombination. Wenn ich entspannt am Flughafen ankomme, fällt alles andere auch leichter.
Genauso wichtig ist für mich, die Zeit nach der Landung im Blick zu haben. Wo fährt der Bus? Wie komme ich zum Hotel? Welche U-Bahn-Linie brauche ich? Diese Fragen im Voraus zu beantworten, schafft Orientierung und reduziert Unsicherheit. Dazu gehört auch, mich mit ein paar Informationen zum Reiseland vertraut zu machen – nicht stundenlang, aber genug, um nicht völlig unvorbereitet anzukommen.
Ich versuche also, in den Tagen vor der Abreise den Stress so weit wie möglich zu reduzieren. Dann entwickelt sich auch weniger Angst, denn Angst ist letztlich eine Stressreaktion. Und je weniger zusätzlicher Stress, desto ruhiger bin ich auch beim Fliegen.
Nicht jedes Warnsignal ernst nehmen
Es gab Zeiten, in denen habe ich jedes körperliche Signal analysiert. Herzklopfen, Ziehen in den Armen entlang der Nervenbahnen, Nervosität, flauer Magen. Heute höre ich weniger auf diese Warnsignale, weil ich weiss, dass sie nicht zuverlässig sind. Oft nehme ich sie mit einem lächelnden «Ach, du schon wieder!» einfach an.
Die Aufgabe der Angst ist es, mich am Leben zu erhalten. Sie ist dabei manchmal sehr kreativ und entwickelt seltsame Symptome, um meine Aufmerksamkeit zu erzielen und mich zu warnen. Aber weil sie lieber zu oft als zu wenig warnt, irrt sie sich auch. Und genau darum muss ich nicht jedes Signal auswerten.
Fliegen darf etwas kosten
Ich habe akzeptiert, dass Fliegen für mich mehr kostet als für andere. Nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Ich wähle bewusst Sitzplätze, Airlines oder Zeiten, die mir ein besseres Gefühl geben. Ich mache mir das Fliegen also so angenehm wie möglich. Dabei geht es nicht darum, nur Firstclass zu fliegen (was ich noch nie tat), sondern schon kleine Dinge wie mehr Beinfreiheit oder ein Sitzplatz im ruhigeren vorderen Flugzeugbereich können einen spürbaren Unterschied machen. Das ist für mich Selbstfürsorge.
Angst ist Teil der Reise – nicht ihr Gegner
Ich sehe meine Flugangst nicht mehr als etwas, das ich besiegen muss. Sie ist ein Teil meines Reisens. Manchmal leise, manchmal laut. Aber nicht mehr der Gegenspieler.
Ich reise trotzdem. Und oft gerade deshalb bewusster.
Diese Serie über Flugangst ist mir persönlich wichtig, weil sie zeigt: Reisen ist auch mit inneren Hürden möglich. Genau deshalb habe ich VIAMÁS gegründet – aus der Überzeugung heraus, dass Reisen uns wachsen lässt, selbst dann, wenn es sich nicht immer leicht anfühlt. Es geht um Neugier, um Perspektivwechsel. Und darum, sich nicht aufhalten zu lassen.
Wenn du selbst mit Flugangst lebst oder eigene Strategien entwickelt hast, teile sie gerne in den Kommentaren. Ich freue mich über den Austausch.

